Archiv für den Monat: Juni 2006

2006 – Rollertour nach Zella-Mehlis/Thüringen

Einmal auf intakten Landstraßen so richtig zu rollern, das hatte wir uns vom Rollerclub Kierspe in der Woche vor Pfingsten vorgenommen und machten eine Ausflugstour nach Thüringen. Die kleinsten Maschinen waren zwei 80er Roller und die größte unter ihnen ein 750er Motorrad.

Zella-Mehlis, in der Nähe von Oberhof, war das Ziel der achtköpfigen Gruppe und so ganz glücklich begann die Fahrt für uns nicht. Noch auf der Sauerlandlinie bis Herborn und dann auf der Landstraße Richtung Marburg bekamen wir mächtig Regen ab. Doch je näher wir Deutschlands Osten kamen, um so trockener wurden die Straßen. Nach 340 Kilometern Anfahrt über größtenteils Landstraßen erreichten wir unser Ziel, ein ehemaliges Erholungsheim eines DDR-Betriebes. Der erste Eindruck dieses einsam gelegenen Gasthauses war nicht überwältigend. Die Zimmer waren sehr einfach und auch der Gastraum strömte den Flair eines alt-ostdeutschen Aufenthaltsraumes aus. Hier jeden Abend zu verbringen, erschien uns undenkbar. Doch weit gefehlt. Die Preise für die frisch zubereiteten Gerichte auf der kleinen Speisekarte und auch die für die Getränke (ein Glas Wein 1,50 Euro und 0,3 Bier für 1,35 Euro) überzeugten die Rollerfahrer ebenso, wie der trockene Humor des inzwischen 70 Jahre alten Gastwirtes Günter Greiner.

Gleich am Sonntag stand die erste Ausfahrt an. Eisenach, die Lutherstadt mit der Wartburg und dem Lutherhaus wollte besichtigt werden. Doch neben diesen berühmten Stätten bekamen wir auch an das mit zwei Metern Breite kleinste Haus Deutschlands. Auf der Rückfahrt machte unsere Gruppe noch an der bekannten Mattenschanze in Oberhof Pause, keine sieben Kilometer vom Heimatquartier entfernt. Für den Montag hatte Udo Sendler als Tourenführer die „Drei Gleichen“ ausgesucht. Das sind drei mittelalterliche Burgen, die Mühlburg, die Wachsenburg und die Burg Gleichen. Die Wachsenburg beherbergt ein Hotel, Restaurants und ein Burgmuseum, doch das wird erst um 11 Uhr geöffnet. In ihm sind alte Foltergeräte zu besichtigten aber auch die damals üblichen Keuschheitsgürtel waren ausgestellt. Für die Kiersper war die Besichtigung auch ein willkommener Anlass, sich aufzuwärmen. Zwar zeigte sich die Sonne in diesen Tagen häufig, doch es wehte immer ein kalter Wind. Interessant war der Abschluss der Tour. Es war der „Tobiashammer“, ein technischen Denkmal in Ohrdruf, mit einem der größten Dampfhämmer der Welt. Zwar kein Denkmal, doch einen technischen Betrieb, besichtigten die Kiersper am letzten Tag ihres Aufenthaltes. Sie besuchten die Suhler Gesenkschmiede und Bearbeitungswerk, welche direkt nach der Wende von dem Kiersper Unternehmer Helmut Fetting aufgebaut und geführt worden ist. Heute beschäftigt das Werk 60 Mitarbeiter und stellt Teile für die Automobilindustrie, die Schifffahrt und die Eisenbahn her.

Die Lieblingsstrecke für uns wurde bald das Stück Landstraße von Oberhof nach Zella-Mehlis. Auf diesem sieben Kilometer langen Stück wand sich eine Haarnadelkurve in die nächste und das Fahren machte so richtig Spaß. Ansonsten bewegten sich die Touren eher auf geraden oder leicht kurvenreichen Strecken, durch Felder und auch Mischwälder. Doch nicht alles lief auf dieser Fahrt nach Plan. An einem Tag streikte der Roller des Rollerkollegen Klaus Redlich, die Werkstatt in Meinerzhagen hatte den Zahnradriemen nicht richtig angebracht. Doch anstatt groß Ersatzteile für den Roller zu bestellen, holte der Mechaniker nur eine Feile, brachte das defekte Teil wieder in die richtige Form und so konnten die Fahrten weiter geführt werden. Zwar hatten die Kiersper vor, ihre Thüringertour bis zum Freitag auszudehenen, doch bereits am Mittwoch holte sie das schlechte Wetter aus dem Sauerland ein, so dass sie sich entschlossen, einen Tag eher nach Hause zu fahren. Insgesamt gesehen hatten wir es aber wettermäßig noch besser als die Daheimgebliebenen getroffen, denn in Thüringen regnet es durch das kontinentale Klima nicht so oft. – GeG